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Combined Learning – ein Erfahrungsbericht

Seit 2012 wird im Modul Interaktive Medien des Bachelor-Studienganges Multimedia Production konsequent das Inverted Learning eingesetzt. Die Herausforderung ist, 90 Studierende in drei Klassen an den zwei Standorten Chur und Bern qualitativ hochstehend zu unterrichten.

Text: Prof. Martin Vollenweider / Bild: Prof. Martin Vollenweider

Aufbau des neuen Lehrmodells der Interaktiven Medien. Es besteht aus den Säulen Selbststudium vor der Vorlesung, Moodle Quiz, Kontakteinheit und Übung. SWITCHinteract erlaubt, die Vorlesungen zu streamen und aufzuzeichnen. Es besteht auch die Möglichkeit, Chat und Gruppenräume aufzusetzen. Der Lehrbeauftragte Nils Solanki beantwortet die Fragen der Studierenden aus dem Chat. Skizze der Übertragung der Klassenzimmer
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Aufbau des neuen Lehrmodells der Interaktiven Medien. Es besteht aus den Säulen Selbststudium vor der Vorlesung, Moodle Quiz, Kontakteinheit und Übung.

Im Herbst 2012 begannen wir die Vorlesungen der Interaktiven Medien mit neuen technischen und didaktischen Methoden zu konzipieren. Für die Anpassungen gab es verschiedene Gründe:
– trotz Vollzeitstudium haben viele Studierende externe Jobs
– viele Studierende wohnen ausserhalb Bern oder Chur
– etliche Studierende verpassen Vorlesungen, weil sie an zeitkritischen Projekten arbeiten müssen (z.B. Dreharbeiten)
– Studierende sind abwesend (Krankheit, Zivildienst, Militär, verschlafen etc.)

Zu Beginn beschränkten wir uns auf das Streamen und Aufzeichnen der Vorlesungen und konnten dabei von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen aus dem Departement Information profitieren. Prof. Bruno Wenk, Prof. Dr. habil. Wolfgang Semar und andere Dozierende zeichneten ihre Vorlesungen schon länger auf.

Neue Herausforderung mit zwei Standorten
Neue Herausforderungen entstanden im Herbstsemester 2014 mit der dritten Multimedia Production (MMP) Klasse in Bern. Wir mussten Lösungen für folgende Fragen finden: Wie können wir den Stoff in drei örtlich getrennte Klassen vermitteln? Wie können wir auf Fragen während des gestreamten Unterrichts eingehen? Wie können wir sicherstellen, dass die Studierenden den Stoff verstehe
n und anwenden können? Der Besuch des Open Online und Sommer Kurses LATINA (Learning and Teaching in a Digital World) brachte uns entscheidend weiter.

Die in der Weiterbildung und den früheren Vorlesungen gemachten Erfahrungen flossen in den Studiengang ein und entwickelten sich zu einem neuen Ansatz:
– Die Stoffvermittlung erfolgt ausschliesslich mit Inverted Learning, nicht mehr in den Kontakteinheiten
– Die Inverted Learning Lektionen werden mit Moodle Quiz geprüft
– In den Kontakteinheiten werden gemeinsam Beispiele und Übungen für das Verständnis gelöst
– Der Unterricht findet zeitgleich für alle Klassen statt, wird gestreamt und aufgezeichnet
– Die Fragen der Studierenden aus dem Stream werden von einem Lehrbeauftragten sofort beantwortet
– Das Klassenzimmer aus Chur wird nach Bern und umgekehrt übertragen
– Der Stoff wird in Übungsstunden klassenweise und mit Hilfe von Tutoren vertieft

Inverted Learning
Wir zeichneten während den Semesterferien vorbereitende kurze Videosequenzen auf. Diese Videos müssen die Studierenden vor der nächsten Kontakteinheit anschauen. Geplant ist, die Sequenzen im Herbstsemester 2016 mit den Studierenden auf eine interaktive und multimediale Stufe zu transformieren. Die Erfahrung zeigte, dass die Videosequenzen von den Studierenden vor der Vorlesung nicht angeschaut wurden. Aus diesem Grunde führten wir obligatorische Single Choice Quiz auf Moodle ein. Wie aus den Kursbewertungen hervorgeht, fanden die Studierenden diese Methode hilfreich: «Quizzes sorgen dafür, dass man mit dem Selbststudium mithält», «Die Quiz halten einen am Ball» oder «Die Quiz finde ich sehr gut und eine tolle Vorbereitung auf die nächste Lektion und eine gute Lernkotrolle». So lauteten nur einige der Rückmeldungen.

Kontakteinheiten
In den Kontakteinheiten werden Fragen aus dem Stoff des Inverted Learnings besprochen, der Stoff zusammengefasst und kleinere Übungen zusammen gelöst. Es gibt praktisch keinen Frontalunterricht mehr, die Dozierenden können dadurch mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Studierenden eingehen.

Zeitgleich gestreamter und aufgezeichneter Unterricht
Mit der von Switch zur Verfügung gestellten online Software SWITCHinteract lassen sich Vorlesungen einfach streamen und aufzeichnen. In der Regel sind bei einer Vorlesung in Chur ca. 30 Studierende anwesend und je 20 via Chat aus Bern oder Chur dazu geschaltet. Die restlichen Studierenden schauen sich die Aufzeichnung an.

Fragen der Studierenden werden sofort beantwortet
Während der Kontakteinheit bearbeiten die Studierenden am Laptop gleich die Übungen, da gibt es viele Fragen. Diese werden den Dozierenden via Chat gestellt und von einem Lehrbeauftragten gleich online beantwortet.

Klassenzimmer an anderen Standort übertragen
Der MMP-Studiengang besteht aus drei Klassen an zwei verschiedenen Standorten. Wir versuchten, das Gefühl einer grossen Klasse in einem grossen Klassenzimmer zu vermitteln. Das Klassenzimmer der Berner Studierenden wurde nach Chur und umgekehrt übertragen. Das gewünschte Erlebnis wurde aber noch nicht erreicht, die Screens, resp. das Bild des Beamers ist zu klein, die übertragenen Bilder müssten wandfüllend sein.

Wie weiter?
Wir werden das Inverted Learning in den kommenden Semestern weiter entwickeln. Einige weitere wesentliche Szenarien müssen erarbeitet werden: Wie lösen wir die Herausforderung von Gruppenarbeiten mit gemischten Teams aus Chur und Bern? Wie können wir die Studierenden aktiver in die Kontakteinheiten einbinden (mit kleinen Vorträgen und Präsentationen)? Wie lassen sich die drei Klassen besser integrieren? Wie nehmen wir den Studierenden die Angst vor der Programmierung?

Für uns im Team gilt: wir gestalten mit Leidenschaft die Zukunft und entwickeln das Combined Learning weiter!


MARTIN VOLLENWEIDER, PROF.
Prof. Martin Vollenweider ist Dozent, verantwortlich für das Modul Interaktive Medien und Vertiefungsleiter Media Applications im Bachelor-Studiengang Multimedia Production.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur.

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