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Die Bergluft pflegen

Dem Gesundheitstourismus wird eine glänzende Zukunft mit grossem wirtschaftlichem Potential prophezeit. Wie können touristische Regionen diesen Trend nutzen und für sich erschliessen? Dieser Frage widmet sich das von der HTW Chur durchgeführte Projekt der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) «Entwicklung innovativer Produkte zur Stärkung des Gesundheits- und Aktivtourismus in Davos Klosters».

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 Text: Dr. Tanja Heublein & Prof. Dr. Franz Kronthaler / Bild: Diana Giori

Gestützt auf vier Markttreiber wird dem Megatrend Gesundheitstourismus ein erhebliches wirtschaftliches Potential zugeschrieben. Diese vier Markttreiber lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ein steigendes Gesundheitsbewusstsein, der demografische Wandel, die Öffnung der bisherigen Strukturen des Gesundheitsmarktes sowie Innovationen, die sich aus neuartigen Kombinationen von Medizin, Medizin- und Kommunikationstechnologie ergeben.

Was steckt hinter Gesundheitstourismus?

Unter Gesundheitstourismus versteht man touristische Aufenthalte, im Rahmen derer Reisende eigeninitiativ ausserhalb des Wohnsitzes Zeit investieren, um gesundheitsfördernden Aktivitäten nachzugehen. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Angebotssparten: zum einen Angebote, die ohne medizinische Diagnose durchgeführt werden und entweder der Krankheitsvorbeugung, der Leistungssteigerung oder der Erhöhung der Attraktivität dienen (indikationsunabhängige Angebote), zum anderen Angebote, die auf einer ärztlichen Diagnose beruhen (indikationsabhängige Angebote). Die Etablierung gesundheitstouristischer Produkte innerhalb dieser Sparten bedarf einer auf verschiedenen Erfolgsfaktoren basierenden Strategieentwicklung.

Erfolgsfaktoren für den Gesundheitstourismus

Eine erfolgreiche gesundheitstouristische Strategie erfordert den Einbezug der beteiligten Akteure und Akteurinnen aus den Bereichen Gesundheit und Tourismus. Sie berücksichtigt spezifische Kernkompetenzen vor Ort und definiert die Zielgruppen. Zusätzlich müssen vier weitere Aspekte berücksichtigt werden: Profilbildung und Spezialisierung, klare Ausrichtung auf den Nutzen der Kundschaft, Initiierung und Förderung von Netzwerken zur Nutzung von Synergien sowie ein systematisches Innovationsmanagement. Darüber hinaus ist bei der Strategieumsetzung auf eine konsequente Qualitätsorientierung zu achten, welche die anerkannten touristischen und medizinisch-therapeutischen Standards berücksichtigt. Zudem müssen diejenigen Vertriebskanäle bedient werden, die sich explizit an die anzusprechende Gruppe von Kundinnen und Kunden richten.

Allergie- und Asthmakur in Davos

Eine Analyse der Kernkompetenzen in Davos hat gezeigt, dass hier sowohl in den nicht-indikationsorientierten als auch in den indikationsorientierten Angebotssparten des Gesundheitstourismus Kompetenzen bestehen. Basierend auf dem touristischen Sportangebot in Davos bieten sich etwa Produkte in den Angebotssparten Primärprävention und Leistungssteigerung an. Eine Neukonzeption der ortsansässigen indikationsorientierten Strukturen (Beispiel: Höhenkliniken) ist ebenfalls denkbar. Eine Möglichkeit ist, auf die Themen Allergie und Asthma zu fokussieren. Das allergenarme Mikroklima sowie das Renommee als Höhenkurort sind Standortvorteile. Auf wissenschaftlicher Ebene ist mit den vorhandenen Institutionen der Allergie- und Asthmaforschung fachliches Know-how vorhanden.

Davoser Potenzial noch ausbaufähig

Eine Analyse der Davoser Sommer- und Wintergäste, durchgeführt im Sommer 2013 und Winter 2013/2014, zeigt, dass die aktuellen Gäste bei ihrer Urlaubsplanung vor allem an der Erhaltung ihrer Gesundheit durch Vorbeugung über Sport, Ernährung, Stressabbau und Wellness (ca. 70 Prozent der Befragten) sowie an ihrer eigenen Leistungssteigerung durch Training und Meditation (über 30 Prozent der Befragten) interessiert sind. Werden gesundheitstouristische Angebote etabliert, kann auf bestehende Gäste zurückgegriffen werden. Dadurch besteht eine gute Ausgangslage, sich im Markt des Gesundheitstourismus zu positionieren. Eine im Hinblick auf die Zusammenarbeit der touristischen und gesundheitlichen Player in Davos durchgeführte Netzwerkanalyse hat jedoch gezeigt, dass erst wenige Kooperationen zwischen den beiden Bereichen Tourismus und Gesundheit bestehen und eine Zusammenarbeit weitgehend fehlt.

Synthese und wirtschaftspolitische Implikationen

Davos verfügt über vielfältige Möglichkeiten, die bestehenden Standortvorteile zu nutzen und sich erfolgreich im Markt des Gesundheitstourismus zu positionieren. Ein zentrales Erfolgskriterium wird dabei sein, marktfähige Produkte zu entwickeln und diese über die zielgruppenspezifischen Vertriebskanäle zu kommunizieren. Kooperationen zwischen den touristischen und den gesundheitlichen Akteuren und Akteurinnen sind zu intensivieren. Zu berücksichtigen ist, dass beide unterschiedliche Sprachen sprechen und im Tagesgeschäft über wenig Zeit zur Entwicklung von Innovationen verfügen. Wirtschaftspolitik und Regionalentwicklung können hier beispielsweise durch entsprechende Fachstellen wertvolle Handlungsimpulse setzen. Letztlich sind jedoch alle im Gesundheits- und Tourismusbereich gefordert, diese Anstösse zu nutzen und marktfähige, innovative Produkte im Gesundheitstourismus zu entwickeln und in Davos zu etablieren.


Franz_KronthalerFRANZ KRONTHALER, PROF. DR.

Projektleiter Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung ZWF

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