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Die moderne und innovative Bibliothek – was steckt dahinter?

3D-Drucker, erlaubtes Hacken, Kaffee trinken, Chillen und Spielen: hätten Sie das in einer Bibliothek erwartet?

Text: Cristina Carlino / Bild: Shutterstock, Inc/Rawpixel.com

Nebst dem klassischen Angebot an Fachliteratur und an eRessourcen finden Sie in Bibliotheken neuartige Angebote und Dienstleistungen. Zum Beispiel stehen Ihnen immer mehr eReader und Tablets für die Ausleihe zur Verfügung. So können Sie die Geräte und Applikationen testen und dann entscheiden, ob Sie diese für sich anschaffen möchten oder nicht.
Heute lassen sich Bibliotheken häufig spielerisch erkunden. Mit Hilfe von Applikationen, die über Smartphones oder Tablets genutzt werden, können Sie sich in den Räumlichkeiten orientieren und über Dienstleistungen und Bestände informieren.

Manche Bibliotheken verfügen über RFID-Anlagen. Diese ermöglichen eine Ausleihe mittels Selbstverbuchungs- und Rückgabeschranke oder eine dynamische, frei wählbare Ordnung der Medien. So haben Sie die Möglichkeit, ihre persönlichen Sammlungen mit Medien aus verschiedenen Bereichen zu erstellen. Diese Sammlungen werden im Katalog gespeichert und können mit Tags angereichert werden.
Auch der neuere Trend der Makerspaces hat in einigen Schweizer Bibliotheken Einzug gehalten. Damit können Sie neue Technologien (zum Beispiel 3D-Drucker) testen und sich Fertigkeiten im Umgang mit Multimedia aneignen (zum Beispiel in den Bereichen Musik und Film). Die Bibliothek stellt – oft in Kooperation mit externen Partnern – nicht nur die Geräte zur Verfügung. Sie bietet auch Kurse an, stellt den Bezug zu Fachliteratur her oder vermittelt Kontakte zu Fachleuten.

Im Juli fand zum zweiten Mal in einer Schweizer Bibliothek ein zweitägiges Hackathon statt. An die 100 Programmierende und Forschende nahmen daran teil: nicht um im herkömmlichen Sinne zu «hacken», sondern um Datensätze aus Museen, Bibliotheken und Archiven zu analysieren und an neuen Anwendungen zu tüfteln.
Auch bezüglich Erreichbarkeit hat sich einiges geändert. Bibliotheken sind immer länger geöffnet, zum Teil auch sonntags, und die meisten von ihnen nutzen Social Media wie Facebook, Twitter und Instagram.

Der einst stille Bücherhort hat sich zu einer dynamischen Lern- und Begegnungszone entwickelt. Integrierte Cafés, Lounges und Spielzonen für die Jüngsten bieten Raum für Austausch und Entspannung. Zudem ermöglicht eine flexible und mobile Infrastruktur, Bibliotheksräume mit wenig Aufwand situationsgerecht zu verändern und sie als Einzelarbeitsplatz, für Gruppenarbeiten oder für Veranstaltungen zu nutzen.

Was wichtig bleibt

Immer wieder gefragt bei den Benutzerinnen und Benutzern ist der klassische Lesesaal für ruhiges Arbeiten. Weiter schätzen sie ein breites und vielfältiges Angebot, einen benutzerfreundlichen Katalog, einfache Bestellungsmodalitäten und kurze Lieferzeiten. Räumlichkeiten, die zum Verweilen und zum Stöbern in den Regalen anregen, sind ebenfalls sehr wichtig. Und nicht zu vergessen: kompetentes und hilfsbereites Personal.
Den meisten Bibliotheken fehlt es aber an den nötigen finanziellen Ressourcen, um als einzelne allen Ansprüchen ihrer Benutzerinnen und Benutzer gerecht zu werden. Deshalb sind sie auf Kooperationen mit anderen Bibliotheken und Institutionen angewiesen.

Wenn sie Trends erkennt, ihre Ressourcen sinnvoll einsetzt, verstärkt Kooperationen sucht und auf kompetentes und freundliches Personal setzt, dann ist eine Bibliothek modern und innovativ.


CRISTINA CARLINO

Cristina Carlino ist Leiterin der HTW Chur-Bibliothek. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur teilt in der Südostschweiz einmal im Monat Wissen, das den Horizont erweitert.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur.

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