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Eine selbstständige Fachhochschule für Graubünden

Ein neues Bundesgesetz verlangt von allen Schweizer Hochschulen eine institutionelle Akkreditierung. Als eine der ersten Fachhochschulen nehmen wir diesen Prozess in Angriff. Als Ziel haben wir die Selbstständigkeit vor Augen. Dabei schätzen wir die grosse Unterstützung der Bündner Regierung.

Text: Ludwig Locher / Bild: HTW Chur

Die Elektrodiplomklasse von 1977 posiert vor dem Schriftzug des damaligen Abendtechnikums Chur. Der Schriftzug wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Studierenden erstellt. Angehende Bauingenieurinnen und Bauingenieure bei einem Test im Baulabor. Zukünftige Medieningenieurinnen und -ingenieure studieren und produzieren in der EducationZone des Medienhauses der Somedia. Der ehemalige Maschinenbau-Student Ludwig Locher ist seit 2006 Hochschulratspräsident der HTW Chur.
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Die Elektrodiplomklasse von 1977 posiert vor dem Schriftzug des damaligen Abendtechnikums Chur. Der Schriftzug wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Studierenden erstellt.

Vor 53 Jahren, am 5. Oktober 1963, fand die Gründungsversammlung der «Vereinigung für ein Abendtechnikum in Chur» unter dem Vorsitz des damaligen Nationalrats Dr. Tenchio statt. Der Bedarf an Technikern und Ingenieurinnen in Graubünden führte zur Gründung unserer Hochschule – ein Bedarf, der auch heute noch in aller Munde ist, Stichwort «Fachkräftemangel». 122 Studierende nahmen ein halbes Jahr später ihr Studium am AT Chur auf. Was damals noch fehlte, konnte bereits 1972 erreicht werden: die Anerkennung als Höhere Technische Lehranstalt HTL durch den Bund. Diese Anerkennung ist insofern ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Bündner Fachhochschule, da die Diplome der Studierenden schweizweite Gültigkeit erhielten.

Die Neuordnung der Fachhochschulen durch den Bundesrat führte im 2000 zur Bildung der FHO Fachhochschule Ostschweiz mit Fachhochschulabschlüssen für unsere Absolventinnen und Absolventen. Heute sind wir die Bündner Fachhochschule mit rund 1600 Studierenden in 10 Bachelor-, 4 Masterstudiengängen und unzähligen Weiterbildungsangeboten. Wir forschen in 3 Themenschwerpunkten und tragen mit unseren jährlich rund 300 Projekten zu Innovationen, Wissen und Lösungen für die Gesellschaft bei.

Von rund 120 Studierenden zu rund 1600, was – neben dem Bedarf an Technikerinnen und Ingenieuren – steckt hinter diesem beachtlichen Wachstum? Neben unseren schweizweit einmaligen Studiengängen liegt dies sicher auch in unseren Qualitätsbemühungen. Unsere Studiengänge sind vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement akkreditiert. Dies gibt unseren Studierenden die Gewissheit, dass sie an der Bündner Fachhochschule ein qualitativ hochstehendes Studium absolvieren, welches sie für ihr weiteres Berufsleben befähigt. Es war der Hochschulleitung wichtig, dass nicht ausschliesslich die Studiengänge akkreditiert sind, sondern auch die gesamte Hochschule sich qualitativ weiterentwickelt und diese Bemühungen auch extern überprüfen lässt. So erzielten wir Ende März das ausgezeichnete Ergebnis von «Recognised for Excellence» mit vier Sternen (gestartet waren wir im 2012 mit «Committed to Excellence») nach EFQM sowie die Rezertifizierung nach ISO 9001 und als erste Hochschule der Schweiz feierten wir die Zertifizierung nach ISO 29990.

Als eine der ersten Fachhochschulen in der Schweiz haben wir uns für die Institutionelle Akkreditierung angemeldet. Das seit Januar 2015 in Kraft stehende Bundesgesetz HFKG (Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz) verlangt von den Schweizer Fachhochschulen eine Akkreditierung auf institutioneller Ebene, anstatt der bisherigen Akkreditierung der einzelnen Studienangebote. Diese Akkreditierung gibt uns die gesetzliche Basis, uns auch in Zukunft «Fachhochschule» nennen zu dürfen. Bis zur Erreichung sind wir aber akkreditiert, so wie alle bestehenden Hochschulen dies bis Ende 2022 sind. Wir erhoffen uns einen Entscheid bis Ende 2017.

Parallel dazu läuft der politische Prozess für die Loslösung aus der FHO. Diese angestrebte Selbstständigkeit wird in letzter Instanz durch den Bundesrat bewilligt. Wir erfahren hier grosse Unterstützung durch die Bündner Regierung, namentlich von Regierungsrat Martin Jäger. Er nennt folgende Gründe für die Wichtigkeit einer erfolgreichen HTW Chur für den Kanton Graubünden:

1. Schwierige Wirtschaftssituation Graubündens: «Ausbildung, Forschung und Dienstleistungen der HTW Chur sind in diesem anspruchsvollen Umfeld ein wichtiges Standbein für die wirtschaftliche Weiterentwicklung und Stärkung des Wirtschaftsstandortes Graubünden.»

2. Status FHO-Teilschule: «In den vergangenen Jahren hat sich mehrfach gezeigt, dass die Einbindung der HTW Chur in die FHO eine dynamische Weiterentwicklung der HTW Chur verzögert und somit auch Bestrebungen die Bündner Volkswirtschaft zu stärken verhindert. Die Hochschule und der Kanton sind auf kurze effiziente Entscheidungswege angewiesen, welche der speziellen geografischen und sprachlichen Situation des Kantons Rechnung trägt.»

3. Bündner Hochschul- und Forschungsstrategie: «Der Kanton Graubünden verfügt über eine aktuelle Gesetzgebung für den Hochschulbereich und über eine Hochschul- und Forschungsstrategie, welche die Entwicklungsrichtung in den Bereichen Hochschulen und Forschung für die nächsten Jahre vorgibt. Die HTW Chur ist ein wichtiges Element dieser Strategie.»

4. Fachhochschulzentrum: «Die kantonale Politik will die Weiterentwicklung der HTW Chur durch den Bau eines Hochschulzentrums fördern und den Hochschulstandort Graubünden stärken, um im nationalen Wettbewerb bestehen zu können.»

Als selbstständige Fachhochschule kann die HTW Chur die Bedürfnisse der Wirtschaft, der Verwaltung, der Studierenden und somit der Gesellschaft schneller in innovative Studienangebote umwandeln, da die Hürden des FHO-Verbundes wegfallen. Erst die Selbstständigkeit ermöglicht der Bündner Fachhochschule die Einführung weiterer – von der Wirtschaft gewünschter – technischer Bachelorangebote zur Ergänzung des heutigen Profils.

Mit einem zeitgemässen und konkurrenzfähigen Ausbildungsangebot bis hin zur tertiären Stufe können wir als agile, innovative und unternehmerische Fachhochschule einen wichtigen Beitrag leisten, dem Brain-drain der periphären Regionen die Stirn zu bieten. Nicht nur dies, mit unserer nationalen Anerkennung dank der einmaligen Angebote sowie der internationalen Ausstrahlung, auch dank unserer angewandten Forschung, tragen wir zu einem Brain-gain und damit direkt zur positiven Entwicklung der Bündner Volkswirtschaft bei. Darauf freue ich mich sehr.


LUDWIG LOCHER, PRÄSIDENT
Ludwig Locher ist seit dem 1. Januar 2006 Präsident der HTW Chur. Er übergibt das Präsidium per Ende dieses Jahres an Brigitta M. Gadient, welche kürzlich von der Bündner Regierung zur Präsidentin gewählt wurde.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur.

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