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Der CEO als Impulsgeber und Energielieferant

Christian-Erik Thöny leitet als Chief Executive Officer die Geschicke der CEDES-Gruppe. Das Unternehmen mit Sitz in Landquart gehört zu den Pionieren im «Photonics Valley» und unterstützt das schweizweit erste und einzigartige Bachelorstudium Photonics der HTW Chur.

Text: Flurina Simeon / Bild: Riccardo Götz

Beschreiben Sie bitte kurz die drei Geschäftsbereiche der CEDES.
Wir sind heute in drei Bereichen tätig. Seit Gründung des Unternehmens sind wir mit Lichtschranken und -vorhängen, insbesondere für Aufzüge und Fahrtreppen, erfolgreich. Dieser Anwendungsbereich macht heute noch 75 Prozent unseres Umsatzes aus. Die Sensoren basieren auf den Errungenschaften der optischen Messtechnik im Infrarotbereich. Unser grösstes Wachstum haben wir jedoch im Jahr 2015 mit der Gebäudeautomation im Bereich Tür- und Torindustrie erzielt.

Das dritte Geschäftsfeld mutieren wir zurzeit – der Bereich Sicherheits- und Automationsindustrie verwandelt sich bald in Robotics. Den Bereich Industrie haben wir 2009 an Rockwell verkauft und verabschieden uns aus diesem Gebiet. Ganz generell befinden wir uns derzeit in einer Transitionsphase: Wir stossen mit intelligenten Sensoren in die dritte Dimension vor. Die Sensoren können z. B. dynamisch ein Objekt, dessen Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit sowie den Raum erkennen. Mit dieser disruptiven Innovation stellen wir sicher, dass wir mit Produkten aus dem Hochpreisland Schweiz marktführend bleiben, und verabschieden uns aus der zweidimensionalen «Commodity-Falle».

Was sind die grössten Erfolge in der Firmengeschichte der CEDES?
In der Türautomation für Aufzüge haben wir den Weltstandard definiert – in Zusammenarbeit mit Schindler. Darauf fusst unser Wachstum, das wir seit 30 Jahren an den Tag legen. Als zweites Highlight sehe ich unsere Rolle als Mitpionierin der intelligenten 3D-Sensorik auf Basis des Time-of-Flight-Prinzips. Diese disruptive Technologie ermöglicht die kostengünstige Herstellung von intelligenten Lösungen für Steuerungs- und Überwachungsaufgaben auf breiter Front – mit aller Art von Applikationen inklusive Robotersichtführung.

Wie stellt CEDES sicher, dass sie mit ihren Produkten weltweit erfolgreich ist und dies mit immer neuen Lösungen auch zukünftig bleibt?
Es ist zentral, dass wir Trends erkennen und immer wieder neue Anwendungen entwickeln – das ist auch unser Geschäftsmodell. Dies erreichen wir dank unserer technisch versierten Mitarbeitenden in Europa, in den USA und Asien. Wir sind global aufgestellt. Kreativität ist ein chaotischer Prozess, der aus der Kombination von Intuition und Kognition entsteht. Die Geschäftsleitung priorisiert die daraus entstandenen Projekte systematisch. Bei allen unseren Aktivitäten folgen wir unserem Geschäftsmodell, das drei Stufen umfasst:

  1. Kundenbedürfnis erkennen
  2. Lösung für dieses Bedürfnis umsetzen
  3. Aus der Lösung einen Standard erarbeiten.

CEDES hat ihren Hauptsitz in Landquart, im Bündner Rheintal. Ist diese periphere Lage ein Vor- oder ein Nachteil?
Eigentlich ist die Firma rein zufällig in Graubünden angesiedelt, weil der Gründer aufgrund seiner ersten Arbeitsstelle hierher gezogen ist. Der Standort ist aber nicht unbedingt ein Nachteil, auch wenn dies im ersten Moment überraschen mag. Mit unserer führenden Position in puncto Technologie, der überragenden Qualität, der Funktionalität sowie der Unterstützung unserer Kundschaft bei der Nutzung unserer Produkte haben wir über die Jahre Strahlkraft entwickelt. CEDES ist eines der treibenden Unternehmen im hiesigen Technologie-Cluster – auch «Photonics Valley» genannt.

Als innovativer Leuchtturm haben wir es bis jetzt immer geschafft, auch höchst qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure zu rekrutieren. Uns erreichen sogar Blindbewerbungen von ausgezeichneten Fachkräften. Als moderne Firma bieten wir gute Arbeitsbedingungen und die sportlich aktiven Kolleginnen und Kollegen schätzen die Möglichkeiten in Graubünden.

Für unsere Weiterentwicklung erachten wir es als zentral, dass die Produktentwicklung und die Produktion hauptsächlich auf einen Standort konzentriert sind. Es macht uns stolz, dass über 90 Prozent der Produkte in Landquart hergestellt werden. Für viele ist es zudem überraschend, dass wir einen Drittel unseres Umsatzes in China erwirtschaften, notabene mit Produkten aus dem Bündner Rheintal.

Arbeiten in der CEDES. Der markante Turm prägt die CEDES in Landquart. Christian-Erik Thöny, seit 4 Jahren CEO der CEDES-Gruppe. Ein Blick auf das hoch technologische Förderband.
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Christian-Erik Thöny, seit 4 Jahren CEO der CEDES-Gruppe.

Was ist die grösste Herausforderung für CEDES?
Einerseits die Transition von 2D zu 3D, der zurzeit unser Hauptfokus gilt. Die Basisentwicklung ist quasi abgeschlossen, jetzt stehen wir mitten in der sehr anspruchsvollen Industrialisierung. Dabei ist es uns sehr wichtig, solange mit dem Product Launch zuzuwarten, bis die Produkte ausgereift sind und im von uns erwarteten Qualitätsstandard auf den Markt gelangen. Alles andere wäre fahrlässig. Andererseits stellt die permanente Effizienzsteigerung eine Daueraufgabe dar, die wir mit neuen Ansätzen immer weiter vorantreiben. Seit Jahren stagniert die Zahl unserer Mitarbeitenden bei rund 370; dank unserer Bemühungen in der Automation konnten wir diese Arbeitsplätze sichern. Wir ermöglichten gleichzeitig ein Wachstum unserer verkauften Stückzahlen von 770 000 im Jahr 2012 auf erstmals deutlich über eine Million in diesem Jahr.

Unsere Mitarbeitenden sind hauptsächlich in der Schweiz (ca. 220) und in China (ca. 100) tätig. Wir pflegen einen intensiven gegenseitigen Austausch. So weilen Kolleginnen und Kollegen aus China regelmässig für Schulungen in der Schweiz, während umgekehrt Mitarbeitende aus Landquart in China arbeiten und die Sprache lernen. Im Januar 2017 wird eine Tochtergesellschaft in Tokyo dazukommen, um den japanischen Markt besser zu bedienen.

Was ist Ihre wichtigste Aufgabe als CEO der CEDES-Gruppe?
In meiner Karriere durfte ich viele Bereiche im Detail kennenlernen und ein profundes Wissen aufbauen. Zuerst konnte ich als Entwicklungsingenieur Maschinen und Produkte konstruieren und in Betrieb nehmen; danach war ich aber auch intensiv im Product Management und Verkauf tätig und schliesslich habe ich Produktionsprozesse gestaltet. Dadurch bin ich in der Lage, immer wieder Impulse und Energien für das System CEDES zu liefern – stets mit dem Ziel der Weiterentwicklung des Unternehmens. In Zeiten des Umbruchs bin ich selbstverständlich auch als Integrationsfigur gefragt. Und der Austausch mit unseren wichtigsten Kunden weltweit ist ebenfalls zentral. Dennoch scheint mir meine Rolle als Impulsgeber und Energielieferant am wichtigsten.

CEDES ist eines von knapp 30 Unternehmen, welches eine partnerschaftliche Vereinbarung mit der HTW Chur im Rahmen des Bachelorstudiums Photonics getroffen hat. Was erhofft sich CEDES aus dieser Partnerschaft?
Die HTW Chur verfolgt eine Nischenstrategie, so wie wir, und beweist damit, dass der Standort nicht die Hauptrolle spielt. Viel wichtiger ist, dass der Fokus der Institution stimmt, was bei der HTW Chur eindeutig der Fall ist. Ich bin überzeugt, dass der HTW Chur eine tolle Zukunft bevorsteht, weil sie das Ausbildungszentrum der Photonics-Ingenieurinnen und -Ingenieure in der Region sein wird. Wenn es der Hochschule gelingt, eine Spitzenposition aufzubauen und erfolgreich einzunehmen, wird sie auch attraktiv für Studierende aus dem Ausland, wie dies heute beispielsweise bei der ETH Zürich mit ihrem Institut für Robotik und Intelligente Systeme der Fall ist. Als eine der ersten Unterstützerinnen des Bachelorstudiums Photonics erhoffen wir uns zukünftig eine noch einfachere Rekrutierung von Spezialistinnen und Spezialisten der diversen Technologien – z. B. Bildverarbeitung, angewandte Optik und entsprechende Elektronik (Photonics) – für unser Unternehmen.

CEDES verleiht Photonen einen Sinn in ihrem Leben und wandelt sie in elektrische Ladungsträger um. Damit können CEDES-Sensoren Aufzüge steuern und Menschen Sicherheit geben – und Roboter sehen lernen.

Das schweizweit einmalige und erste Bachelorstudium Photonics ist im Herbst 2016 gestartet. Welche Berührungspunkte gab es zwischen Ihrem Unternehmen und den Studierenden in dieser kurzen Zeit? Was für gemeinsame Aktivitäten sind im Rahmen des Studiums geplant?
Drei ehemalige Lernende unseres Unternehmens studieren jetzt Photonics auf Bachelorebene; ausserdem bieten wir Praktikumsplätze für Studieninteressentinnen und -interessenten an. Wir stellen nach Bedarf Geräte für die Vorlesungen und Übungen zur Verfügung und werden auch zukünftig mit Diplomarbeitsthemen in den Studienverlauf integriert sein.

Wie erleben Sie die HTW Chur als Partnerin?
Diese Frage kann ich mit folgenden drei Worten beantworten: «kompetent», «zukunftsorientiert» und «fokussiert» – im Gegensatz zu anderen Fachhochschulen, welche in der Vergangenheit einmal einen Spitzenplatz innehatten, diesen aber aufgrund der fehlenden Fokussierung verspielt haben.

Sie haben sowohl Ihr Bachelor- als auch Ihr Masterstudium an einer Fachhochschule absolviert. Inwiefern profitierten Sie von der Praxisnähe Ihres Studiums?
Ich bin ein grosser Fan unseres dualen Bildungssystems, das sowohl den eher theoretisch Begabten als auch den mehr Praxisorientierten ausgezeichnete Studien- und damit schliesslich Arbeitsmöglichkeiten bietet. Die Praxisnähe ist meines Erachtens ausschlaggebend für die Angebote an Fachhochschulen. Davon habe ich sehr stark profitiert.

Über Christian-Erik Thöny
Seit vier Jahren ist Christian-Erik Thöny CEO der CEDES-Gruppe mit Hauptsitz in Landquart. Zuvor war er während knapp 14 Jahren Managing Director der Bucher Hydraulics AG sowie knapp fünf Jahre in verschiedenen leitenden Funktionen bei der ESEC SA tätig. Nach seinem Bachelorstudium in Maschinenbau an der NTB Buchs absolvierte er an der gleichen Fachhochschule ein Masterstudium der Systemtechnik. Ausserdem bildete er sich am INSEAD in Fontainebleau im Management-Bereich weiter. Thöny ist in Chur aufgewachsen, verheiratet und Vater zweier erwachsener Stieftöchter sowie einer leiblichen elfjährigen Tochter. Die ganze Familie ist vom Reitvirus infiziert. Ausserdem betreibt der CEDES-CEO viel Sport und schätzt das Reisen. Thöny ist aktiver Rotarier.
Über die CEDES-Gruppe
Seit 1986 entwickelt CEDES innovative Lösungen für Sicherheits- und Informationssysteme, Überwachungen, industrielle Rechner und Steuerungen. Dabei arbeitet CEDES mit optischen Sensoren auf Basis der aktiven Infrarottechnik und der Bildverarbeitung. Das Produktprogramm gliedert sich in die Bereiche Aufzugsindustrie, Tür- und Torindustrie sowie Lagertechnik und Robotik. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte weltweit in mehr als 60 Ländern. Die Firma wird nach dem Qualitätsmanagement-Standard ISO 9001 geführt.

FLURINA SIMEON
Flurina Simeon ist Kommunikationsbeauftragte der HTW Chur.

Dies ist ein Beitrag des Magazins Wissensplatz der HTW Chur.

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