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Montenegro: The wild Beauty

Das Modul «Project Management in Practice» des Tourismus-Studiums der HTW Chur bietet den Studierenden die Möglichkeit, eine Woche lang eine Destination zu bereisen und diese Reise entsprechend den Modulgrundsätzen zu organisieren und zu dokumentieren. Der Vorschlag einer der Studentinnen, ihr Heimatland Montenegro zu entdecken, hatte überzeugt und die 9 Studentinnen und ein Student begannen sich mit dem 2006 unabhängig gewordenen Land auseinanderzusetzen.

Text: Karen Jacos, Larissa Marthy und Raffaela Bollhalder / Bilder: Sanja Pepic

Study Week in Montenegro Study Week in Montenegro
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Study Week in Montenegro

Überzeugt davon, dass Gemeinschaften komplexe Gefüge sind, wurden in der Vorbereitungsphase erste Schritte in die Geschichte des Landes, dessen politisches System, die Wirtschaft und den Tourismus sowie die Kultur unternommen. Im Rahmen von Treffen mit Wissenschaftlern, Kulturschaffenden, Tourismusverantwortlichen, Umwelt- und Politaktivistinnen, Ministerialbeamtinnen und Museumsverantwortlichen wollten wir folgenden Fragen nachgehen:

• Was macht Montenegro einzigartig?
• Welche Rolle spielt die Politik, welche der Tourismus?
• Wer dominiert im politischen wie im touristischen Bereich und wer profitiert am meisten?

Grosszügigerweise war die Mehrheit der angeschriebenen Fachpersonen bereit, sich Zeit für uns zu nehmen. Wir führten die Interviews im Küstengebiet, in der Hauptstadt Podgorica und in der historisch bedeutsamen ehemaligen Hauptstadt Cetinje. Auf diese Weise konnten wir einen Teil des Balkanstaats erkunden.

Die Kombination unserer Vorarbeiten mit den lehrreichen Informationen von unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern liess uns zu folgenden Schlussfolgerungen kommen. Es ist ein wunderschönes Land mit einer atemberaubenden natürlichen Vielfalt. Vom mediterranen Meer bis hin zu schneebedeckten Bergen findet sich alles auf kleinem geographischem Raum. Angesichts der verheerenden nationalistischen Jugoslawienkriege der 90er-Jahre waren wir beeindruckt festzustellen, dass Multi-Kulturalität und Multi-Religiosität gelebte Wirklichkeit darstellen. Vor dem Hintergrund des terroristisch-religiösen Fanatismus der heutigen Zeit eine erfreuliche Vielfalt und Toleranz, die als Errungenschaft verteidigt wird.

Und wenn fatalistische Passivität anzutreffen ist, lässt sie sich besser mit dem korrupten politischen System als mit einem so genannten „montenegrinischen Naturell“ erklären.

Die grösste Herausforderung für die Bevölkerung Montenegros scheint uns die omnipräsente Korruption zu sein. Der sehr bedeutsame Tourismussektor und die wirtschaftliche Entwicklung überhaupt wird zentral von den ewig gleichen politischen Kräften kontrolliert, welche auch am meisten profitieren. Die Menschen vor Ort fühlen sich oft allein gelassen und relativ machtlos. Zu Beginn unseres Abenteuers waren wir auf das Urteil gestossen, dass „Montenegriner faul sind.“ Je mehr Menschen wir kennen lernen durften, desto klarer wurde für (raus) uns, dass sich sehr viele von ihnen leidenschaftlich für die Gemeinschaft und die Zukunft des Landes engagieren. Und wenn fatalistische Passivität anzutreffen ist, lässt sie sich besser mit dem korrupten politischen System als mit einem so genannten „montenegrinischen Naturell“ erklären. Korrupte Oligarchien sind Gift für das Gemeinwohl, die kreative Freiheit und das Engagement der Menschen. Auffällig war, dass in Zeiten von Brexit viele Menschen ihre Hoffnung nicht auf die eigene Regierung, sondern auf eine EU-Mitgliedschaft setzen. Immerhin haben die Beitrittsverhandlungen bereits dazu geführt, dass die kleine herrschende Schicht zumindest vordergründig rechtsstaatliche, demokratische und ökologische Kompromisse eingeht.


KAREN JACOBS, LARISSA MARTHY, RAFFAELA BOLLHALDER
Karen Jacobs, Larissa Marthy und Raffaela Bollhalder studieren im 4. Semester Tourismus an der HTW Chur.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur.

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