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Radio – Das Medium der Zukunft

«Das Radio ist tot, lang lebe das Radio!» ist einer der jüngsten Slogans. Oft schon wurde das Radio für tot erklärt. Dass dem nicht so sein kann liegt eigentlich auf der Hand. Weder die Zeitung, noch das Fernsehen, das Internet oder die Sozialen Medien können unter der Dusche, im Auto, beim Skifahren dauerhaft genutzt werden. Nur das Radio besitzt diese Vorzüge. Schon alleine die Technik ermöglicht dem Radio, bzw. dem Radioprogramm, eine geniale Zukunft.

Text: Christian Stärkle / Bild: kursiv, Radiozentrale

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Dass das Radio das mobilste und schnellste Medium ist, gilt immer noch und wird auch weiterhin gelten. Dafür sorgt nicht zuletzt auch die Politik. Es ist kaum denkbar, dass dereinst Lesen beim Autofahren erlaubt sein wird. Es ist auch kaum vorstellbar, dass Video schauen beim Autofahren erlaubt sein wird. Das Smartphone nutzen ist und bleibt wohl auch verboten. Denkbar ist, dass in den Fahrzeugen einzelne Meldungen (Push-Meldung, SMS etc.) auch vom Bordcomputer vorgelesen werden. Nicht denkbar ist also, dass am Steuer Unterhaltung und Information gleichzeitig geboten werden kann – es sein denn von einem Radioprogramm. Trotz allem werden Radio und Smartphone noch näher zusammen wachsen, sich inhaltlich ergänzen und sich gegenseitig komplementieren.

Unbedeutend für das Medium Radio ist der Ausspielkanal, die Verbreitungsart. Ob dies noch lange UKW sein wird, oder DAB+ die Funktion von UKW übernehmen wird, ist dabei ebenso unbedeutend wie die Verbreitung über WLAN. Der Inhalt des Radioprogramms sichert die Zukunft des Mediums Radio. Auch wenn die Dienste des «Public Service», nicht zu verwechseln mit «Service Public», von den Smartphones und von den Bordcomputern der Autos übernommen werden, ist einiges nicht abtretbar.

Es ist dies:

– die Unterhaltung
Nur ein Radioprogramm mit Moderatoren und Moderatorinnen kann unterhalten, kann mit den Hörerinnen und Hörern sprechen, wobei wohl die älteste Interaktivität, das Wunschkonzert, nie an Bedeutung verlieren wird. Es ist die einzige Kommunikation von Peer-to-Peer, bei der unendlich viele andere passiv dabei sein können. Nur wenn Hans Müller aus Chur Verena Meyer aus Ilanz für den gestrigen wundervollen Abend über das Radio dankt und dabei den Musiktitel «Ti amo» (Umberto Tozzi) wünscht, können sich unzählige fragen, ob die zwei nun eine Verhältnis haben. Man kann darüber sinnieren, ob die zwei überhaupt zusammen passen oder man doch eher das Gefühl habe, dass die zwei wohl nie glücklich werden.

– die Information
Nur in einem Radioprogramm kann von einem nicht planbaren Ereignis unmittelbar und live berichtet werden. Wer anders als ein Radioprogramm kann eine Unmenge von Leuten gleichzeitig über die Staus so informieren, dass sich Betroffene, die im Stau stehen, direkt in das Radioprogramm einschalten und ihre Situation und ihr Gefühl des stundenlangen Wartes in der Hitze oder Kälte allen Hörerinnen und Hörern mitteilen. Mit einer Freisprechanlage ist dies jederzeit möglich. Die Hörerinnen und Hörern, die nicht im Stau stehen, erhalten die Bestätigung, dass ihr Entscheid zuhause zu bleiben, resp. ihre Routenwahl, richtige war.

Wenn Programmkonsumenten und -konsumentinnen über das Radio sprechen, dann erhält dieses eine Dritt-Ebenen-Wirkung und bekommt eine Vollreferenz unter den potentiellen Hörerinnen und Hörern. Wichtig wird bei all dem sein, dass die Radioprogramme neue Formate ausarbeiten und dass die Macher und Macherinnen sich darauf besinnen, den Hörerinnen und Hörern einen Mehrwert zu vermitteln und sei dies nur die Tatsache, dass Franz Müller durch das Radioprogramm geweckt wird und dabei seinen Lieblingssong der Rolling Stones oder von Adèle ihn fröhlich stimmt. Wichtig ist dabei, dass der Mehrwert subjektiv und individuell ist. Die Aufgabe der Radiomacherinnen und Radiomacher wird es aber sein, mit einem Mix aus Unterhaltung, Information und Diensten der Mehrheit der Hörerinnen und Hörern so zu dienen, dass sie nur dieses Radioprogramm konsumieren wollen, egal über welchen Verbreitungskanal.

Am 16. und 30. März 2016 finden zwei «Uni für alle» Veranstaltungen für Kids (8-12 Jahre) zum Thema «Radio – das Medium der Zukunft» statt. Eine Anmeldung ist obligatorisch auf: htwchur.ch/uni


CHRISTIAN STÄRKLE, PROF.
Christian Stärkle ist Dozent und Vertiefungsleiter Radio Production im Bachelor-Studiengang Multimedia Production.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur.

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